Bruno Mars – The Romantic (2026)
- Michael Scharsig
- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Bruno Mars ist eine wandelnde Hit-Maschine und vor allem seine ersten Alben habe ich rauf und runter gehört. Zuletzt wandelte er bei mir allerdings immer auf einem Drahtseilakt. Gehört Die With A Smile für mich schon jetzt zu den modernen Klassikern, fuckt mich APT. bis heute tierisch ab. Als ich aber das erste Mal von The Romantic hörte, stiegen meine Erwartungen höher und höher. Er ist einfach einer dieser Künstler, den die Welt manchmal zu brauchen scheint. Nur kann ein Album diesem Druck gerecht werden? Mit nur neun Liedern?

Los geht’s mit Risk It All. Vermutlich ist’s dem Albumkonzept geschuldet, dass es hier nicht mit ohrwurmtauglichen Party-Songs los geht, sondern mit Streichern und akustischer Gitarre, irgendwo zwischen nostalgischer Swing-Ballade und Brunos so starkem Falsett (nennt man das so?). Ironisch, denn im Gegensatz zum Songtitel nennt man das wohl „auf Nummer sicher“. Außerdem möchte ich immer dann, wenn er „It’s crazy but it’s true“ singt, loslegen und „I Only Wanna Be With You“ durch die Karaoke-Maschine schmettern.
Im Anschluss fühlt sich Cha Cha Cha (nicht der von diesem verrückten Finnen) an wie ein Sequel seines Vorgängers, nur eben mit Cha Cha Cha Vibes und ein bisschen mehr Soul. Ich hoffe allerdings, dass es textlich später noch ein bisschen aufwärts geht nach Zeilen wie „Come on and cha-cha-cha with me“ oder „It's crazy, but it's true. There's nothing I won't do. I'd risk it all for you.“ Leider folgt hierauf zwar endlich irgendwas Tanzbares, nur ist es leider die Vorabsingle I Just Might. Der Song besitzt die smoothe Leichtigkeit von The Lazy Song und den Groove von Finesse, aber auch ein unfassbar nerviges Doo-doo-doo-doo-doo-doo, doo-doo, doo und – naja, ich hab jetzt schon zwei Songs erwähnt – eben auch nicht viel Neues.
Selbstredend ist meine Kritik an der neuen Musik von Bruno Mars Jammern auf hohem Niveau, denn technisch ist hier alles hochprofessionell. Der 40-Jährige beherrscht sein Werk wie nur sehr wenige seiner Mitstreiter. Und nachdem wir uns nun auch die flirty Soul-Ballade God Was Showing Off anhören, die ein bisschen nach alter Schule, aber auch ein bisschen nach Silk Sonik – dem gemeinsamen Projekt mit Anderson Paak – klingt, wird immer klarer, dass hier mit voller Absicht auf Experimente und Trendsetting verzichtet wurde. Nach vier Songs gehe ich die Wette ein, dass das Ding zumindest stilistisch einem gewissen Rahmen folgen wird.
So. Genug Diplomatie. Why You Wanna Fight? geht dann als berechenbare Nummer doch etwas unter. Ich hab sie ehrlicherweise schon am Ende dieser Review vergessen. Wenigstens heißt’s dann mit On My Soul wieder ab auf die Tanzfläche. Ein lässiger Mix aus dem Michael Jackson der 80er, Curtis Mayfield oder eben funkiger Mars-Tracks selbst. Sogar mit etwas Gitarre. Nice! Auch Something Serious klingt wie ein Medley aus irgendwelchen Funk- und Latin-Hits der 70er, sucht euch welche aus. Was ich Songs wie diesen einfach eingestehen muss – sie mögen klingen, wie alles, was man schon mal gehört hat, aber live werden diese Arrangements genau deswegen verdammt gut funktionieren.
Nothing Left liefert uns wenigstens den endgültigen Beweis, dass Mars auf diesem Album vor allem seinen Vorbildern huldigt. Wenn die Zeile „You used to light up when I called to say, I love you“ keine Anspielung auf Stevie Wonder ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Auch diese stylishe Rock-Soul-Ballade fügt sich gekonnt ins Geflecht, punkten tut vor allem die Energie in Brunos Stimme. Dance With Me schließt als gerade mal neunter Track The Romantic auch schon wieder ab. Fühlt sich an wie ein Song, den der DJ am Abschlussball der Tanzschule auflegt, kurz bevor alle von ihren Eltern abgeholt werden. Und ganz ehrlich? Das ganze Album tut das.
Fazit: ⭐⭐⭐ / 5
Das Rad wird hier zu keiner Zeit neu erfunden. Deutlich wird vor allem, dass Bruno Mars mit The Romantic eher imitiert als kreativ neues Terrain betritt. Ein Konzeptalbum mit starkem Beigeschmack von Sonic Silk. Der picklige Sven kann dieses Ding trotzdem bedenkenlos beim ersten Date mit Sabrina abspielen. Denn – und das gehört zur Wahrheit dazu – Bruno hat unter seinen Welthits schon deutlich kitschigere Sachen gedroppt. Diese Musik hier ist eher für den Abspann einer romantischen Komödie gedacht, wo sich alle am Ende immer kriegen. Ein Anwärter auf die vorderen Plätze des Jahres wird der ganze Spaß aber leider nicht.





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