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DRAMA – Platonic Romance (2026)

  • Autorenbild: Michael Scharsig
    Michael Scharsig
  • 10. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Vor einigen Tagen lief eine meiner Playlists durch, woraufhin meine App anschließend weitere Songs vorschlug, So hörte ich zum ersten Mal „Make It Look Easy“ von DRAMA und zum ersten Mal überhaupt von dem US-Duo aus Chicago. Ein bisschen Recherche verriet mir: Produzent Na'el Shehade und Sängerin Via Rosa machen eine Mischung aus R&B, Funk, House und vieler weiterer Einflüsse – und sie hätten dieses Jahr mit „Platonic Romance“ ihr drittes Album veröffentlicht. Ein Album, das von Schlagzeilen als „sad disco“ oder „electronic soul“ betitelt wurde. Und weil ich Genre-Mixe mag, habe ich mir den Quereinstieg einfach mal gegönnt.



„Willst Du nicht gesehen werden? Gehört werden? Verstanden werden? Lieben, geliebt werden und sterben?“ – mit Make It Look Easy starten DRAMA direkt mit jeder Menge Disco im Gepäck. Die simplen Fragen des Lebens in Musik verpackt, die sofort an French House und Glitter erinnern. So ohrwurmtauglich, wie Oblivion, das anschließend den Funk beibehält, aber deutlich reduzierter und smoother daherkommt. Auf die großen Beats wird hier verzichtet, dafür aber schön repetitiver Piano-House eingeflechtet.

Song Nummer drei, Miss My Chance, schaltet dann noch einen gang runter. Die deepe und sphärische Pop-Nummer bleibt nicht im Ohr wie ihre Vorgänger, demonstriert aber die Bandbreite des Albums. In Savannah redet Via Rosa einer Freundin ein, dass ihr Partner ein „guter Mann“ ist, doch entpuppt sich der Track vielmehr als Ausdruck der eigenen Sehnsucht endlich jemanden zu finden. Nicht nur die Liebe ist blind, sondern auch die Suche nach ihr. Musikalisch kehren hier die groovenden Gitarren zurück, auch wenn wir nach wie vor melancholisch sind. Eine richtig gute Single!

Auch Texas City demaskiert das romantisierte Bild der Liebe, wobei mir hier das Storytelling ein bisschen besser gefällt als das Arrangement. Spätestens bei Long Night wird klar, wie authentisch und kritisch auf Beziehungen geblickt wird. Einmal mehr könnte der Track das gewisse Etwas vertragen. Vielleicht ist es aber auch genau dieses Dahinschleichen, das die Idee des Albums am besten verkörpert. Liebe und ihre Fehler als Loop. Abgesehen vom repetitiven Refrain steigert sich Here With Me, vervollständigt aber ein Trio an Songs, die inhaltlich sehr cool sind, musikalisch aber eben wenig hängenbleiben.


Das anschließende Day By Day habe ich nach wenigen Minuten dann aber wirklich wieder vergessen. Zum Glück erscheint die melancholische House-Nummer Young 4Ever dann zur richtigen Zeit, die mit groovender Synthlinie und Klavier-Support mehr Richtung Selbstreflexion und Zukunftsfragen blickt. „Es ist einfach sich allein zu fühlen, wenn es hart ist Anschluss zu finden.“ Point made! Auch bei On The Way wird es abwechslungsreicher und zwar mit uplifting Liquid Drum and Bass, den ich hier nun echt nicht erwartet hätte. Inhaltlich bewegen wir uns hier anscheinend weg von zynischen Blicken auf die Liebe, hin zu viel mehr Blicken in den Spiegel.

Wenn DRAMA etwas beherrschen, dann sind es die kleinen Twists in ihren Botschaften. „Das Leben ist mehr als nur Verlieben und Gehenlassen“, heißt es in dem Song. „Und es ist zu besonders, um es allein zu verbringen.“ Als Texter gefallen mir solche kleinen Dreher, weil sie so wenig Worte brauchen, um so viel zu erzählen. Noch spannender wird es bei dem deepen und progressiven Track Yalla Habibi, der auf Arabisch gesungen wird und auch orientalische Rhythmen und Klänge einbaut. Der Titeltrack verspricht danach einer gebrochenen Person zu zeigen, was sie verpasst, wenn sie ihr Leben aufgibt. Doch auch hier garniert mit einer narzisstischen Frage: „Zeige ich Dir gerade nicht, dass ich mich kümmere?“

Ein kleines Highlight ist dann die gospelartige Ballade No Pressure zum Abschluss. Hier wird auf Beats verzichtet und stattdessen mit Klavier, Bass und emotionalen Streichern das Album mit einer ruhigen Note beendet. Das ist nach all dem Soul, Funk und House erfrischend. Es dürfte auch kein Zufall sein, dass Kinderstimmen im Intro zu hören sind. Als hätten wir eine Reise durch eine gesamte Beziehung mitgemacht. Und ja, auch textlich zeigen die beiden hier einmal mehr Nuancen. Die Message ist mehr oder weniger: „Mach Dir selbst keinen Druck, es ist einfach nur die härteste/schwierigste Entscheidung deines Lebens“. Auf den ersten Blick ironisch, doch denkt man darüber nach muss „schwierig“ gar nicht negativ behaftet sein.

Fazit: ⭐⭐⭐⭐ / 5

Also bitte nicht falsch verstehen. DRAMA haben hier kein Album voll mit Zynismus oder Sarkasmus produziert, sondern mit Gegensätzen innerhalb von Liebe und Leben – all diese kleinen Dinge, die dazugehören, ob wir wollen oder nicht. Das ist es, was ihre Musik so „echt“ macht. Nach wirklich smoothen und kreativen Ansätzen hatte ich mitten im Album ein bisschen die Befürchtung, dass das Ding versandet. Wie eine kleine aber heimtückische Ehe-Krise, die in alle Richtungen hätte resultieren können. Der letzte Part des Albums ist in diesem Fall aber ein Happy End und wertet Platonic Romance in seiner Gesamtheit auf. Crying at the discoteque, aber ohne Melodramatik, nur mit DRAMA.



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