Meine 20 Rock-Songs des Jahres 2025
- Michael Scharsig
- 21. Jan.
- 6 Min. Lesezeit
Da ich 2025 endlich wieder ein bisschen mehr Musik als üblich gehört habe baue ich zum Jahresabschluss meine Top-Listen im Vergleich zum Vorjahr aus. Dieses Jahr gibt es also für Rock, Metal, Electronic und Pop jeweils Album- UND Song-Empfehlungen. Der Bereich „Rock“ steht für mich dieses Jahr ein bisschen für „zurück zu den Wurzeln“, denn ich habe 2026 nach vielen Jahren House und Metal wohl kein Genre so oft gehört wie dieses.

Was sich leider fortsetzt ist die schwache deutsche Besetzung in meinen Top 20. Umso erfreulicher ist es, dass der weibliche Anteil sehr hoch ist. Gute Musik kennt eben kein Geschlecht. Zudem sind unter den aufgeführten Artists locker sieben bis acht Stück, die ich erst dieses Jahr für mich kennengelernt habe, u. a. Amira Elfeky, Rocket oder Karen Dió. Ganz oben machen sich dann aber doch Bands breit, die ich seit Jahrzehnten feiere. Und ja, hin und wieder ist die Balance hin zu Metal sehr gering.
Stilistisch fällt mir aber vor allem auf, dass meine Ohren offenbar dem aktuellen Trend hin zu 90er und 00er Vibes folgen. Egal ob Pop-Punk, Rap-Rock oder klassischer Stadionrock, alles ist vertreten. Zudem hatte das Jahr 2025 zumindest in meinen Playlists einen etwas düsteren Touch. Hier könnte ich mir vorstellen, dass das 2026 sogar noch größer wird. Genug gelabert, hier kommen meine 20 Rock-Songs des Jahres 2026:
20. Swiss & die Andern – Loser Baby
„Punk ist tot“ ist meinen Augen das deutsche Rock-Album des Jahres. Das Problem mit großartigen Alben ist, dass ich in meinen Jahreslisten immer nur einen Song auswählen kann. Weil mir Swiss‘ Flow hier gut gefällt, alles ein bisschen nach 90er klingt und zudem ein echter Klassiker gesampelt wird, habe ich mich für den „Loser Baby“ entschieden. Aber hört euch das Album an. Viele große Bretter!
19. VOWWS – Blood’s On Fire
Das australische Duo steht weit oben auf meiner Watchlist und hat mit seinem Album „I’ll Fill Your House With An Army“ komplett abgeliefert. Produziert von Billy Howerdel (A Perfect Circle) und unterstützt von Drummer Josh Freese (Foo Fighters, A Perfect Circle, Nine Inch Nails) gelingt ihnen eine düstere „Death Pop“-Nummer nach der anderen. Wer Deftones, ††† (Crosses) & Co. hört, sollte hier am Ball bleiben!
18. Amira Elfeky – Forever Overdose
Im Trend des 90er- und 00er-Comebacks zeigt sich so langsam, dass auch die düsteren Alternative-, Goth-, und Grunge-Artists nach vorn treten. Zu Ihnen gehört Newcomerin Amira Elfeky. Was sie besser macht als viele Mitschwimmer? Songwriting, Live-Qualität und Konzept sind jetzt schon erkennbar. Zudem schafft sie es moderne Metal-Elemente gekonnt in ihre Songs einzubauen, die frühe und späte Generationen verbindet.
17. Dogma – Banned
Die mexikanischen Nonnen konnten dieses Jahr auf dem Wacken 2026 zeigen, wie gut sie eigentlich live klingen und dass sie mehr als nur ein klickbares Provokationsphänomen sind. Zwar gefallen mir frühere Songs wie „My First Peak“ oder „Father I Have Sinned“ immer noch besser als einige neue Sachen, aber der Track verdient alleine für eine Struktur aus Tango und Rock absolute Anerkennung.
16. Rocket – Take Your Aim
Shoegaze-Gitarren, hypnotisch-melodischer Gesang und Ohrwurm-Charakter. Grunge ist nicht nur zurück, sondern hat seinen Platz im Hier und Jetzt gefunden. Was für eine Ironie, dass MTV abgeschaltet wird, während Bands wie diese ins Spotlight rücken. Eigentlich gehört sowas zusammen. Unaufgeregt, lässig und geduldig genug auch mal ein paar Sekunden Instrumentals glänzen zu lassen. Merkt euch die Truppe!
15. Hayley Williams – Glum
Entspannter Track für depressive Overthinker. Das ist nur so mittelsarkastisch gemeint, denn tatsächlich bedient Hayley diese Themen hier auch inhaltlich. Ein super Kontrast zur verstellten Stimme, dem entspannten Sound und dem bunten Video. Ihr aktuelles von Kritikern gefeiertes Album besitzt viele kleine Highlights – immerhin bestehend aus 17 Singles. Dieses hier ist mein Favorit.
14. Avril Lavigne & Simple Plan – Young & Dumb
Ich verspreche euch, wir sind hier gleich durch mit der Nostalgie-Welle. Aber Avril hat nichts von ihrer Energie verloren und Simple Plan ebenso wenig. Die Avengers des Pop-Punk kommen immer häufiger zusammen und tatsächlich bleibt auch dieser kleine Rocker im Ohr. 11 Millionen Views in 8 Monaten, allein auf YouTube. Das zeigt, wie sehr die Menschen noch immer Bock darauf haben.
13. grandson – BRAINROT
Wir sind fast alle abhängig vom Netz, machen wir uns nichts vor. Oder machen wir uns genau das vor? Wie der Titel schon vermuten lässt greift grandson hier den Mangel an Aufmerksamkeitsspanne und mächtige Technologiekonzerne auf, die er aber nicht nur plump kritisiert, sondern als Bremse kommender Generationen identifiziert. Schließe mich an, höre ich auf Dauerschleife, top Song!
12. Dorothy – The Devil I Know
Die US-Amerikanerin gehört zu meinen Neuentdeckungen des Jahres, weil ich zugegebenermaßen einen Soft-Spot für diesen etwas aus den Jahren gefallenen US-Hard-Rock besitze. Als Fan von The Pretty Reckless ist es aber vielleicht auch gar nicht mehr so überraschend. Das Ding hier geht schön klassisch und energiegeladen nach vorne, besitzt coole Riffs und Dorothy eine Stimme, die ballert.
11. mehro – You’re So Pretty
Als wäre Kurt Cobain wiedergeboren worden – und statt Grunge lieber unter die Spotify-Singer-Songwriter mit günstigen Artworks in den Profilfotos gegangen. Fun Fact: Ein befreundeter Produzent von mehro soll gesagt haben, der Song habe einen der schlechtesten Refrains, die er je gehört habe. Was er vermutlich gemeint hat: Wie einfach und simpel gute Musik sein kann. Das träfe hier nämlich eher zu.
10. DON BROCO – CELLOPHANE
Ich werde aus dieser Band nicht schlau. Aber ich kann definitiv sagen, dass mir die Entwicklung hin zu „We give a fuck about Genres“ total gut gefällt. Nichts langweilt mich mehr, als Bands, die 40 Jahre lang das Gleiche tun. Theoretisch hätte der Track hier auch in meinen Metal-Jahrescharts landen können, wir bekommen hier nämlich satte Riffs, Growls und echten Nu-Metal, aber eben auch mit poppiger Hook.
09. Turnstile – Slowdown
Sprechen wir über die Alben des Jahres führt in den meisten Medien kein Weg an Turnstile vorbei. Für mich – da bin ich ehrlich – war das Album der Einstieg. Große Hits wie „Never Enough“ sind bei mir dabei eher untergegangen. Dafür läuft seit Monaten aber dieser etwas repetitive Track auf Dauerschleife. Das Riff erinnert ein bisschen ab Black Sabbaths „Sweet Leaf“, juckt aber nicht. Beide großartig!
08. Robbie Williams & Tony Iommi – Rocket
Apropos Black Sabbath: Tony Iommi hat in diesem Jahr ein bisschen Gitarrenarbeit zur ersten neuen Single des neuen Albums von Robbie Williams beigesteuert. Das ist ganz witzig, weil der Song eher in Richtung Brit-Punk steuert und weniger Richtung Sabbath-Metal tendiert. Das Video schreibt Boomer Cringe, aber mein Gott, Robbie macht immer noch Laune und endlich klingt mal wieder irgendwas nach seinen alten Songs.
07. Wargasm – Small World Syndrome
Ähnlich wie grandson spielen auch die beiden irren Londoner auf Verdummung durch gesellschaftliche Einflüsse von außen an. Hier geht’s vor allem um den Tod der kleinen Dinge, die das Leben besonders machen und das immer stärker werden Angleichen. Dazu gibt’s in unter drei Minuten Trap-Beats, Vocal-Schnipsel und kantige Riffs. Kostenlose Lobotomie für alle, count me in!
06. Karen Dió – Cut Your Hair
Brasiliens Punk-Durchstarterin greift hier im musikalischen Stil von „American Idiot“ überholte Schönheitsideale und oberflächliche Erwartungen gegenüber Frauen an. Entstanden sei die Idee durch immer wiederkehrende Statements darüber, dass sie mit langen Haaren besser aussehe. Ergebnis: Die Haare bleiben kurz und wir bekommen einen Song, der auf jedem Festival Laune machen wird.
05. Hot Milk – Chase The Dragon
Mit „Corporation P.O.P“ liefert die Rockband aus Manchester eines meiner absoluten Lieblingsalben des Jahres ab. Im Kontrast dazu: Wirklich alle Songs, die nicht als Single veröffentlicht wurden, sind exakt die Songs, die ich am meisten feiere. Dazu gehört diese kleine Hymne, die meiner Meinung nach die erste Auskopplung hätte sein müssen. Einmal bitte reinhören und mir recht geben. Danke!
04. YUNGBLUD – Zombie
Endlich bekommt das Thema Pflege (im Video) mal eine ganz ganz große Bühne und dazu noch besetzt mit Florence Pugh. Alles, was YUNGBLUD momentan veröffentlicht wirkt so unfassbar gut durchdacht, es ist gruselig. Unverschämt, dass dieser Song hier zudem auch noch richtig gut im Ohr bleibt. Definitiv – und auch ohne den Post-Ozzy-Hype – eine der Rock-Hymnen des Jahres.
03. House Of Protection – I Need More Than This
Würde ich neben Filmen, Musikalben und Songs auch noch meine Jahreslisten für EPs veröffentlichen, House of Protection wären die Nummer 1. Es gibt vermutlich keine Band, die ich 2025 häufiger gehört und sogar zweimal live gesehen habe. Ich hätte hier auch „Fire“, „Godspeed“ oder „Afterlife“ empfehlen können.
02. Muse – Unravelling
Wer mich persönlich kennt, der weiß, dass ein Muse-Track in meinen Jahrescharts so überraschend ist, wie Regen im deutschen November. Aber mein Gott, warum klingen die auch so gut? Hier vereinen Muse quasi die Synthwave-Stärke ihres Konzeptalbums „Simulation Theory“ mit dem Rock-Groove späterer Banger – samt überraschend stabilem Metal-Breakdown und hymnischem Refrain.
01. The Pretty Reckless - For I Am Death
Deutschland, wach bitte auf. Ihr verschlaft eine der besten Bands alive! Hoffentlich haben Taylor Momsen und Co. als Vorband von AC/DC für genug Furore gesorgt, dass sie endlich selbst die großen Arenen füllen. Mit dieser Nummer hier hauen sie mal eben einen ihrer besten Songs raus und platzieren sich sogar in den Charts vor den Ghosts und Sleep Tokens dieser Welt. Mein absolutes Rock-Highlight des Jahres 2025.










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