Our Mirage – Fractured Minds (2026)
- Michael Scharsig
- 13. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Our Mirage sind eine Band, die ich persönlich tatsächlich nur durch mir zugeschickte Reels oder aber durch Algorithmus-Recommendations im Zuge von ähnlichen Kollegen wie Annisokay oder From Fall To Spring kenne. Deshalb habe ich mir auch mit Don’t Talk bereits vor über zehn Monaten einen Song ihres neuen Albums Fractured Minds angehört und wurde neugierig. Mir gefiel das „Bisschen“ nostalgische Linkin Park, das sich unter typisch-modernen Metalcore mischte. Blieb nun die Frage, wohin die Band steuert und wie stark sie sich aus dem großen Metalcore-Teich hervorheben kann.

Die für das Genre mittlerweile üblichen „Echo-Effekte“ sind gleich in den ersten Sekunden des Openers Bury Me zu hören. Danke, Bring Me The Horizon. Habt ihr toll gemacht. Diese wiederholen sich dann in der Hook und klingen ein bisschen nach From Ashes To New oder We Are Romans. Zum Glück besitzt die Band mit Timo Bonner eine kraftvolle Stimme mit Wiedererkennungswert und auch die härteren Momente sind top abgemischt. Violent Spin geht dann von Beginn an eine Gangart härter zur Sache und lässt Bass sowie Growls scheinen, energetisch!
Bei Right Now habe ich in den ersten Sekunden gedacht mir fliegt hier gleich Pop-Punk entgegen. Wir bleiben aber im melodisch-radiotauglichen Metalcore-Bereich. Spannender klingt dafür die anschließende epische Ballade Cold Hearted, wobei „Ballade“ hier nicht ganz passt, denn es bleibt ordentlich Druck auf dem Tank, inklusive eines richtig coolen Breakdowns. Fractured bewegt sich dann ein bisschen Richtung Linkin Park bzw. Mike Shinoda-Rap und punktet mit einem Refrain, der im Ohr bleibt. Das Sahnehäubchen ist erneut der Breakdown, der dieses Mal an BPM zulegt und durch die Boxen powert.
Farewell erhöht anschließend die Spannung mit cineastischen Drums, dem bis hierhin fettesten Riff und kleinen Highlights, wenn die Gitarre mal clean klingen darf oder etwas Piano durchscheint während Bonner im bewährten Stil den Kontrast zum brachialen Sound darstellt. Spätestens bei The Chase darf dann auch mal das Wort Nu Metal genannt werden. Die Kollab mit der Essener Truppe Elwood Stray geht gut ab. Parallel zu Vinyl-Gescratche, Rap-Parts und groovigen Riffs wird um die Wette gebrüllt. Live sicherlich ein Brett! In Don’t Talk haben sich Our Mirage zudem Christopher Kristensen von Dead By April ins Boot geholt. Vor allem in den melodischen Momenten wird hier klar, welche Vorbilder die Band besitzt.
Mit God Behind Your Eyes darf sich dann die erste wirkliche Metal-Ballade auf dem Album platzieren und auch mal fünf Minuten überschreiten. Schade, dass ausgerechnet hier der Ohrwurm ausbleibt. An Energie und Herz mangelt es dem Song trotzdem nicht. Und dann ist plötzlich schnell vorbei. Spannend, dass hier vor allem Vocal-Coach und Scream/Growl-Influencer Screamistry neuen Wind mit einer ganzen Bandbreite seines Könnens einbauen darf. Zwar fügt sich hier der typisch-dramatische Sound von Our Mirage gekonnt unter, die Highlights bleiben aber trotzdem die rauen und harten Augenblicke.
Fazit: ⭐⭐⭐ / 5
Versteht diese 3/5-Wertung bitte als gute 3,5. Our Mirage liefern ein Album ab, das von Song 1 bis 10 sauber durchproduziert wurde und den Signature-Sound der Band unter Beweis stellt. Hier mal ein Rap-Part, dort elektronische oder bassige Elemente im Vordergrund. Dazu Features, die nicht wie Promo wirken, sondern sich dem Album fügen. Meckern tue ich nur auf hohem Niveau, so passiert mir auf modernen Metalcore-Scheiben manchmal einfach zu viel gleichzeitig und der Raum scheint immer bis zum Abwinken gefüllt mit Sound zu sein.
Es wäre eigentlich noch fetter, würden hier mal einzelne Member oder Elemente mehr Fokus bekommen und alles wieder ein bisschen mehr nach Garage oder Keller klingen. Das ist aber gar nicht Our Mirage anzudichten, sondern ein genereller Nervpunkt. Bonner & Co. müssen ihren Platz darin trotzdem nicht mehr finden, weil sie – sind wir mal ehrlich – einige der vermeintlich größeren Vertreter qualitativ längst überholt haben.





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