top of page

Rock am Ring 2026 – Meine Review

  • Autorenbild: Michael Scharsig
    Michael Scharsig
  • vor 5 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

90.000 Besucher:innen – das Jahr 2026 kann als voller Erfolg für Rock am Ring verbucht werden. Im Vorfeld gelang mit Linkin Park erstmals seit 12 Jahren nicht nur eines meisterwarteten Comebacks, auch sonst wurde das Line-Up als eines der besten der letzten Jahre gefeiert. Quittiert durch einen Besucherrekord – noch nie war das Festival am Nürburgring so schnell ausverkauft. Ein, zwei Dinge müssen benannt werden und das tue ich gleich auch. Trotzdem würde ich mich vorsichtig einer fast perfekten Bewertung anschließen.


Rock am Ring 2026: Verkündung des Headliners für 2027

Anreise & Transport


Erfahrene Ringrocker wissen: Je früher Du dort auftauchst, desto stressfreier wird Deine Anfahrt. Natürlich haben wir uns nicht auf die Ansage, 12 Uhr würden die Plätze geöffnet, verlassen. Das ist Taktik, um Verkehrschaos zu entgehen. Der Großteil unserer Truppe konnte bereits am Mittwoch um 8:30 Uhr das Lager aufschlagen. Ich selbst – alt, snobby und verwöhnt – habe mich dann zur Unterkunft aufgemacht. Tatsächlich herrschte trotz allem einmal mehr ein riesiges Verkehrschaos in Form von stundenlangen Staus, die aber spätestens Donnerstagabend Geschichte waren. Wen das nervlich zerdrückt, der sollte sich mental darauf vorbereiten, denn so kacke das klingt, die Straßen in der Eifel können sich nicht magisch erweitern, ein bisschen gehört das bei tausenden von Autos und Wohnmobilen dazu.

Camping & Unterkünfte


An dieser Stelle kann ich leider nicht wirklich viel berichten, da ich wie eben erwähnt in einer Unterkunft zwei Orte entfernt geschlafen habe und per Taxi zum Infield gedüst bin. Ich werde aber andere Besucher:innen zu Wort kommen lassen, zu späterer Zeit – dazu dann in Kürze mehr. Was ich euch sagen kann, ist, dass ich es nicht bereue, mir eine Unterkunft gemietet zu haben. Ich weiß noch nicht, ob ich das 2027 wieder tun werde, weil ich die meisten unserer Truppe leider viel zu wenig gesehen habe. Allerdings hat das Ganze auch gesundheitliche Gründe nach Absprache mit meinen Ärzten (nicht BelaFarinRod, das wär krass) und ein Bett mit warmer Dusche ist jetzt auch nicht so scheiße. Wen Unterkünfte interessieren: Es lohnt sich, Booking.com gepflegt zu ignorieren, es sei denn, man möchte endlich arm werden. Stattdessen lieber Kontakte zu den Locals mit ihren gefühlt 1000 Gästezimmern aufbauen und pflegen.


Festival Besucher bei Rock am Ring 2026

Festival-Freitag

Der Einlass lief meiner eigenen Einschätzung nach deutlich geschmeidiger als in den Vorjahren ab. Gerade der Freitag stand da schon unter einer besonderen Beobachtung, da Linkin Park der Magnet des Wochenendes waren. Zwar hat das Wetter nicht ganz so mitgespielt, doch insgesamt blieben die stundenlangen Massen an Regen aus. Persönlich konnte ich immerhin sechs Bands (zusätzlich zwei weitere im Hintergrund) hören, aber über die einzelnen Auftritte schreibe ich noch einmal gesondert. Was mir trotz der zahlreichen Stände und des Marketings auffiel ist, dass die Jahrmarkt-Atmosphäre gefühlt runtergeschraubt wurde – das gefiel mir, weil es dem Ganzen etwas mehr „Bodenständigkeit“ verliehen hat. Spätestens beim Blick auf Merch- und Getränkepreise hat sich das aber natürlich erledigt. Eine der schönsten Erneuerungen ist sicherlich das Upgrade für die Mandora Stage. Die zweitgrößte Bühne steht der Utopia im Nichts mehr nach.

Festival-Samstag

Das Wetter blieb eine Diva, der Einlass lief noch etwas entspannter ab und ich konnte sogar ganze neun Bands anschauen, was für mich im Vergleich zu den Vorjahren eine absolute Verbesserung darstellt. Es ist außerdem der einzige Tag, an dem ich zur Hauptbühne, der Utopia-Stage, getingelt bin, um mir ganze zwei Acts anzusehen. Auch das hat gebockt, weil es dort anfangs schön geräumig war. Allerdings bleibe ich Fan der anderen zwei Bühnen und wollte mir die Menschenmengen im Rücken später dann doch nicht antun. Kleiner Minuspunkt: Ab Samstag war mein Netz deutlich mieser als zuvor, wie soll man da anständig tind.. Okay, weiter im Programm. Gott allein weiß, warum Bad Omens ganze 90 Minuten Wartezeit brauchten, doch wenn sich am Ring etwas lohnt, dann sind das späte Nacht-Gigs, die ihren Namen aufgrund des Vibes und der visuellen Effekte auch verdienen.

Festival-Sonntag

Auch wenn mein Körper total dagegen war – erneut bin ich direkt zur Eröffnung wieder auf dem Infield gewesen. Die Ruhe, sich irgendwo hinsetzen und einfach nur chillen, das leere Gelände, deutlich besseres Wetter, leere Merch-Stände – ich genieße diese Dinge einfach. Wir wollen nicht verheimlichen, dass ich mir an diesem Tag den Sonnenbrand des Jahres geholt habe und sich aufwärts der Schultern alles anfühlt, als sei ich Vecna, aber wer seine Sonnenmilch bewusst zuhause lässt, muss leiden. Besser: Auch wenn das Line-Up an diesem Tag gefühlt eher durchwachsen war, so habe ich irgendwie immer Artists für mich gefunden und gefeiert. Ich bin niemand, der im Circle-Pit verschwindet, aber wenn ich mit dem Kopf zur Musik bounce oder mitsinge, dann heißt das, dass ich gerade eine richtig gute Zeit habe. Ich habe sehr viel gesungen und mit dem Kopf gebounced. In den Abend rein habe ich es dann aber doch nicht mehr geschafft – Biologie kannst Du nach 7 Stunden Schlaf auf drei Nächte verteilt einfach nicht besiegen.


Bild auf der Facebook-Page von Rock am Ring 2026

Ein paar Kritikpunkte

Der dicke Elefant im Raum: Angeblich gab es bei den Zuströmen von Linkin Park zu Limp Bizkit immer wieder Probleme mit Massenauflauf, viele Besucher:innen sprachen von Panik-Potenzial. Da hört bei mir der Spaß auf, da ich vor allem nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg sensibel bei solchen Themen bin. Hier würde ich mich freuen, wenn die Veranstalter die Berichte aus sämtlichen Facebook-Gruppen & Co. ernstnehmen und reflektieren. Es ist auch nicht zu ignorieren, dass die eher lahme neue Atmos-Area die Mengen kaum auseinandergezogen hat – anders, als das z. B. die vierte Bühne an gleicher Stelle im vergangenen Jahr noch tat. Ansonsten habe ich tatsächlich keine Kritikpunkte, außer, dass leider wie jedes Jahr Zigaretten- und Alkoholwerbung omnipräsent waren. Ich verstehe, dass das Geld irgendwo herkommen muss. Aber zeitgemäß oder verantwortungsvoll ist das leider trotzdem nicht mehr.

Ein paar Pluspunkte

Aber wo wir gerade beim Thema Verantwortung sind: Endlich waren Initiativen wie „Kein Bock auf Nazis“, Blutspenden oder Seenotrettung im Mittelmeer deutlich sichtbarer als in den Vorjahren, wo sie eher versteckt wirkten oder gar nicht an Bord waren. Auch vom Awareness-Team höre ich nur Gutes. Zudem hat mich gefreut, dass sich auch Artists wie Tom Morello, FiNCH oder Bloodywood Zeit nahmen für politische Statements. Der Sound der Bühnen blieb im Vergleich zum Vorjahr auf einem starken hohen Level (mit kleinen Ausnahmen), Ring-Stammgäste wie Ingo (Donots), Cobey (Papa Roach) & Co. haben zudem den alten Geist von RaR versprüht und das Team von Lidl-Rockstore ist ohnehin ein vierter Headliner. Gemeinsam mit den sanitären Anlagen, die meinem Empfinden nach auf dem Infield noch einmal verbessert wurden, ist das schon eine starke Aufwertung. Zwar finde ich, dass das kostenlose Trinkwasser dieses Mal etwas versteckter zu sein schien, aber wenigstens wurde auf sämtlichen Leinwänden darauf hingewiesen.

Fazit:

Rock am Ring ist ein teurer Spaß, der vier Tage lang 90.000 Menschen bespaßen, verpflegen und versorgen muss. Unter all den Umständen wie Kosten, Infrastruktur, Wetter & Co. leisten die Macherinnen und Macher hier wirklich eine Mammuts-Arbeit. Ich betone das nicht, weil ich Geld vom Ring kriege (wär nice), sondern, weil sich gerade während und kurz nach der Festival-Zeit die Beschwerden doch häufen. Es kann für Ersties ein Kulturschock sein, es kann anstrengend sein und ja, es kann in Einzelfällen und auf einzelnen Campingplätzen mal etwas kacke laufen (nicht nur im wortwörtlichen Sinne). Wer sich aber vorbereitet, mit den richtigen Leuten abhängt und auch für ein Mainstream-Event wie RaR etwas Verständnis parat hat, der wird hier einige der besten Stunden seines Jahres haben. 2026 bleibt für mich trotz weniger Glamour und uninteressanter Headliner als eines der besten Jahre in Erinnerung.    

Kommentare


Beitrag: Blog2 Post
test.png
bottom of page