The Butcher Sisters – Das schwarze Album (2026)
- Michael Scharsig
- 25. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Solltet ihr diesen Artikel lesen und TBS mögen, bitte verurteilt mich nicht. Ich kann „provokanten“ Acts wie Mehnersmoos oder Ikkimel durchaus etwas abgewinnen. Selbst FiNCH hin und wieder, KIZ sowieso. Aber das hier ist mein Vietnam. Warum? Weil The Butcher Sisters in meinen Augen noch nie irgendetwas produziert haben, was nicht auf Trends basiert oder bereits hundertmal von anderen in ähnlicher Form geliefert wurde. „Das Schwarze Album“ macht da leider weiter. Ich will aber fair sein und höre mir das ganze Ding an. Kleinere Highlights gibt’s nämlich trotzdem. Sehr kleine. Naja, let’s go.
Der Startschuss kommt direkt total überraschend. In Piep Piep Piep starten wir mit billigem Hardstyle, der sich nie aus den Großraumdiskotheken der Vororte befreien konnte. Das Ganze mixen wir dann mit Autotune und machen daraus eine Art Tribut an die Woody’s oder Das kleine Küken piept. Nur eben nicht mit der Wortgewandtheit von Deichkind, sondern dem Intellekt eines Pflastersteins. Die Tiefgründigen unter uns könnten hier vermuten, dass der Titel vielleicht sogar an Guildo Horn erinnern soll. Ist aber auch egal. Das Konzept dieser Truppe ist Konzeptlosigkeit. Was okay ist. Im Gegensatz zu mieser Musik.

Auch der Cityroller beweist einmal mehr, dass TBS eine Nische für reaktionären deutschen Humor sind. Für alle, die heute noch Scooter-Witze lustig finden und sich – ich zitiere – „hypa fühlen“ und Hans Peter fragen, wie viel der Fisch ist. Cityroller. Das ist witzig, weil: Scooter. Ist aber natürlich live geil, weil hier Metal-Riffs drüber brettern. Kleines Highlight ist die Punk-Nummer Scheiss Für Mich, auch wenn sich der Feini-Feini-Witz nach zwei Minuten abnutzt und selbst hier eine Dosenbier-Zeile rein muss. Selbstredend ist jede B-Seite von Lumpenpack & Co. spaßiger. Aber ich versuche ja neutral zu sein und hier auch Positives zu finden.
Nach Nudeln, Bier & Co. werden in White Monster nun also Energy-Drinks gefeiert. Das ist in etwa so kreativ wie Regen im Herbst. Die Messlatte liegt hier wirklich sechs Füße tief. Kollabs haben sich dann mittlerweile auch von Alligatoah und Mehnersmoos hin entwickelt zu Hämatom und Callejon. Letztere tauchen dann in Detlef D Soost auf, einem B-Promi, der etwa Anfang der 00er Jahre angesagt war. Aber sie singen ja auch von einem „schönen Mann mittleren Alters“… Es ist alles einfach so berechnend.
Auch die ganze Bierscheiße wie z. B. in Bierosaufus Ex ist Boomer-Humor par excellence. Unter Jugendlichen ist der regelmäßige Konsum so historisch niedrig wie nie, zudem sterben in Deutschland mittlerweile jährlich über 15.000 Menschen an ausschließlich alkoholbedingten Erkrankungen. Nun könnte man ja vermuten, dass TBS provozieren wollen, um irgendwie irgendwelche Gedanken anzuregen. Tun sie aber nicht. Stattdessen triggern sie den typisch-deutschen Sauf-Humor aus Mallorca-Kneipen, was weder zeitgemäß noch neu ist. Auch To The Hellfire-Pig-Squeals zu imitieren ist spät dran. Das haben die Samurai Pizza Cats längst hinter sich.
Was könnte denn noch lustig sein? Ahhh ja. Das Alter. Da machen wir jetzt aber was mit Jugendsprache. Weil’s fetzt. Und danach machen wir was mit Anglizismus, weil DAS hat ja wirklich noch nie jemand vorher gemacht. An liebsten möchte ich hier abbrechen. Wenigstens sind die Beats in Ü30 nice und Great Music Band catcht mich am Anfang mit Breakbeats. Vielleicht bin ich selbst simpel… Dann kommen aber schon die nächsten YouTube-Anspielungen, Bacardi-Reime und Lalalalala. Herr Dokter ist dann ausnahmsweise mal ganz witzig. Nein, „kein Bock auf Arbeit“-Themen sind natürlich überhaupt nicht kreativ, aber irgendwo muss ich ja Abstriche machen. Die Hook ist catchy.
Ähnlich verhält es sich mit Dad Jokes und Wortspielen. Je stumpfer, desto besser. Ich bin auch nicht perfekt. Deswegen muss ich fast schon verteidigen, dass Lachen ganz gut gelungen ist. Zumal der Übergang von 90s Trance hin zu Rammstein-Riff ganz geil ist. „TBS sind lustig und zwar sehr“ – nehmen die sich hier selbst auf die Schippe? Wie Meta wäre das denn? Möglich. Aber die 2025er Wacken-Hymne mit Doro reißt dann alles schneller ein als Sturzbäche das Ahrtal. Wenigstens entlässt uns Klettergerüst mit einer durchaus coolen Nummer. Texanischen Akzent hat wirklich noch niemand zuvor nachgemacht. Ironie. Aber sei es drum, ist charmant umgesetzt.
Fazit: ⭐ / 5
Vergleiche mit Electric Callboy sind vorhersehbar, aber nicht begründet. Die Produktionen sind qualitativ Meilen auseinander. TBS sind der Chris Tall unter dem deutschen Partycore-Acts. Erinnert stellenweise an Kraftklub, Swiss oder Deichkind, ist aber leider zu keiner Zeit ähnlich hochwertig. Wirklich kein Song kommt ohne Sauf-Zeile aus und auch die Themenauswahl hat Grundschul-Niveau. Live mag das witzig sein. In ein paar Jahren werden dann Features mit Sido, SDP oder Mark Forster kommen. Dann wird die „Wir sind auch Künstler und erwachsen“-Welle geritten. Bis dahin werden wir wahrscheinlich noch Songs über Selfies, Schnitzel und Vapes über uns ergehen lassen müssen. Und Hirnblutungen.










Kommentare