der Filmtipp: 28 Years Later: The Bone Temple (2026)
- Michael Scharsig
- 18. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Das Ende. Dieses Ende… Vor gar nicht alle zu langer Zeit – gefühlt 28 Jahre später – erschien nun endlich die Fortsetzung der 28-Reihe, die so fulminant mit Cillian Murphy startete und mit Rose Byrne und Jeremy Renner einen rasanten zweiten Teil lieferte. Und obwohl mich auch 28 Years Later mit kreativen Ideen, audiovisueller Stärke und spannenden Figuren über weite Strecken mitfiebern ließ, haben mir die letzten fünf Minuten Vieles davon kaputt gemacht. Ich habe kein Problem mit Stilbrüchen generell, nur hier hat es mich wirklich rausgehauen.
Meine Erwartungshaltung für 28 Years Later: The Bone Temple war dementsprechend vorsichtig. Natürlich liebe ich die Vorgänger zu sehr, um dafür kein Ticket zu ziehen. Aber es hätte hier schon viel passieren müssen, um mich wieder auf den Zug aufspringen zu lassen. Und ich verrate es einfach mal jetzt schon, um hier künstliche Spannung zu vermeiden: Nein. Der Weiterführung funktioniert für mich leider überhaupt nicht. Das Kuriose daran ist, das einmal mehr wirkliche Highlights innerhalb der erzählten Welt eingebastelt wurden und der Schluss schon wieder eine harte Umkehr zum Großteil des Films darstellt. In diesem Fall gefielen mir die letzten fünf Minuten besser als alles davor. Warum das so ist:

Erst einmal schauen wir auf das 28-Universum, das bereits im Vorgänger stumpf eingegrenzt wurde. Teaserte 28 Weeks Later noch an, dass sich das Wut-Virus aus Großbritannien im Rest Europas ausbreiten sollte, wurde dies in 28 Years Later sofort zu Beginn umgedreht. Europa konnte den Ausbruch eindämmen und das Königreich isolieren. Die Neugier auf eine „Welt“ danach musste sich also mit UK begnügen. Immerhin wurde das aber mit schönen Settings, altertümlichen Bräuchen und einigen sehr coolen Gegenüberstellungen von Mittelalter damals zu Post-Apokalypse heute umgesetzt. Der vierte Teil nimmt uns aber selbst das und sperrt uns fast ausschließlich in das Areal rund um den Bone Temple.
Nun lasst uns einen Blick auf die Protagonisten werfen. Da hätten wir zum Beispiel den jungen Alfie Williams, der in 28 Years Later mit Spike noch die überraschende Hauptrolle einnahm und trotz seines Alters eine großartig nuancierte Leistung ablieferte. Obwohl uns Boyle dort noch eine Art Coming Of Age suggerierte, die nie zu Ende erzählt wurde, verkommt Spike nun zur dauerverängstigten Nebenfigur. Auch die emotionale Vater-Sohn-Geschichte verpufft im Nichts, da Aaron Taylor-Johnson in dessen Rolle komplett aus der Story genommen wurde. Wir sehen nichts mehr von Spikes Heimatinsel, oder irgendwelche Anzeichen des Lebens außerhalb Englands. Selbst innerhalb von 28 Years Later: The Bone Temple lernen wir einige Menschen kennen, nur um sie erneut verschwinden zu lassen.
Bevor das hier jetzt klingt wie Rage-Bait: War Ralph Fiennes in seiner Rolle als Dr. Kelson noch der heimliche Hauptgewinn in 28 Years Later, darf er sich hier nun völlig austoben und verpasst seiner Figur abermals eine Tiefe und Anziehungskraft, die alles überstrahlt. Auch Jack O’Connell als Jimmy Crystal verkörpert seinen unberechenbar durchgeknallten Satanistenführer mit Intensität und Witz. Die dritte Hauptfigur ist überraschenderweise Chi Lewis-Parry mit seinem Alpha-Zombie Samson und dessen Riesenpeni.. und dessen „Freundschaft“ zu Dr. Kelson. Doch mit einem ehrlichen Blick auf den Gesamtfilm laufen auch O’Connell und Lewis-Parry erst im Zusammenspiel mit Ralph Fiennes zu Hochform auf.
Was in 28 Years Later mit dem Tod von Spikes Mutter und Dr. Kelsons anschließend rührenden Umgang mit Trauer und Tod hochemotional erzählt wurde, wurde nun in Form von Samsons Besuchen bei Dr. Kelson und deren medizinischer Cocktail-„Trips“ mit Charme, Nähe und Witz versucht. Während die Idee eigentlich spannend ist, dauert das alles aber zu lange und erreicht zu keiner Zeit eine ähnlich wuchtige Tiefe. Auch die satanistische Gruppe entpuppt sich schnell als saublödes Beiwerk – mit Ausnahme von Erin Kellyman als Jimmy Ink. Aber ganz ehrlich? Wer verspricht uns, dass wir künftig wenigstens die Entwicklung ihrer Figur verfolgen dürfen?
Der Mangel an Kreativität zeigt sich dieses Mal auch anhand der musikalischen Untermalung. Es mag ja Nostalgie-Kicks triggern, aber hören Engländer echt ausschließlich Klassiker von englischen Ikonen wie Duran Duran oder Radiohead? Und natürlich spielt Dr. Kelson in der Szene, in der er sich als Satan ausgibt, wie sollte es anders sein: The Number Of The Beast von Iron Maiden. Mehr Cliché geht nicht, was hab ich mich fremdgeschämt. Apropos Kreativität: Auch in Sachen Brutalität legt der Knochentempel vermeintlich zu, allerdings bekommen wir abermals nur Samsons Klassiker geboten, fast alles andere wird lediglich angedeutet.
Angedeutet wird am Ende auch die Rückkehr einer bekannten Figur, während wir uns gleich von einer ganzen Reihe an Namen verabschieden, die jetzt zwei Filme lang inszeniert und aufgebaut wurden. Damit wir auch brav wieder ins Kino rennen hören wir nun auch endlich wieder das absolut großartige Franchise-Theme In The House - In A Heartbeat von John Murphy, das wiederum zwei Filme lang zu keiner Sekunde auftauchte. Kommt es nun also zum Abschluss einer in sich geschlossenen Trilogie? Oder haben wir jetzt zwei Bone-Temple-Filme über uns ergehen lassen müssen, nur um im fünften Teil plötzlich zum Ursprung zurückzukehren? Das alles fühlt sich so unfassbar inkonsequent und wirr an, mich nervt das nur noch.
Fazit: ⭐⭐ / 5
Eine faszinierend aufgebaute Welt wird nicht weitererzählt und die aufgebauten Geschichten der Figuren werden fast durchweg verschwendet. Auch wenn Samson oder Jimmy unterhaltsame Figuren sind, ohne Ralph Fiennes Dr. Kelson wirken auch diese kaum. Wie schon beim Vorgänger wird versucht mit dem Ende noch einmal wachzurütteln. Für mich kommt dieses Rütteln fast zwei Filme zu spät. Sollte ein möglicher dritter bzw. fünfter Teil wenigstens die Atmosphäre von „Days“ oder „Weeks“ zurückholen, ich wäre versöhnt. Ah, das hätte ich fast vergessen: Glaubt ja nicht, die Infizierten würden hier noch irgendeine Rolle einnehmen.










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