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Interview mit Jezebel

  • Autorenbild: Michael Scharsig
    Michael Scharsig
  • vor 1 Tag
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Stunden

Während ich diese Zeilen schreibe, bereitet sich Jen aka Jezebel gerade auf ihren Gig im Kölner Odonien vor. Die 34-jährige US-Amerikanerin lebt seit fünf Jahren in Deutschland, hat erst hier in Köln angefangen aufzulegen und sich blitzschnell innerhalb der lokalen Disco-Szene einen Namen gemacht. Wenn ich Disco sage, meine ich nicht, was Moni und Bernd denken, wenn sie über Nachtclubs sprechen. Ich meine das Genre. Denn Jen ist dem Glitzerball verfallen. Das Interview haben wir spontan am späten Nachmittag einen Tag vor ihrem Auftritt im Odonien geführt, sodass sie noch etwas früher schlafen kann.


Pressefoto von Jezebel

Hi Jen, erst einmal vielen Dank für Deine Zeit. Du sagst über elektronische Musik, sie sei eine Deiner großen Leidenschaften und dass Du fast jedes Wochenende in Clubs tanzen gehst. Wann bist Du das erste Mal mit elektronischer Musik in Berührung gekommen?

Meine Mama war immer großen Fan von Disco und Funk. Daher bin ich schon früh mit Künstler:innen wie Midnight Star oder Earth, Wind and Fire aufgewachsen.

Kannst Du Dich an einen bestimmten Moment erinnern, in dem es Klick gemacht hat?


Ich war 17 Jahre alt, als ich das erste Mal mit „moderner“ elektronischer Musik in Kontakt kam und dachte: Das ist auf jeden Fall etwas für mich! Ich war über den Sommer in Kalifornien für ein Programm für Schüler:innen an der Stanford University. Ein Kommilitone zeigte mir & Down von Boys Noize und Genesis von Justice und ich war SOFORT Fan!


Innerhalb weniger Jahre hast Du dann Deinen Weg von der Tanzfläche auch hinter die Decks gewagt. Wann hast Du das erste Mal aufgelegt?


Das weiß ich tatsächlich noch genau. Am 3. Mai 2025 auf der Abschluss-Party von einem FLINTA*-DJ-Workshop in Köln, an dem ich teilgenommen hatte. Mein Set dauerte nur 20 Minuten, aber es war so ein geiles Gefühl, vor einem Publikum aufzulegen.


…und wann hast Du entschieden, in Zukunft regelmäßig aufzulegen?


Ich weiß nicht, ob ich überhaupt diese Entscheidung in diesem Sinn „getroffen“ hatte. Es war eher so, dass ich dachte: „Okay, ich kann ziemlich gut auflegen und es macht SO viel Spaß. Das möchte ich einfach so oft wie möglich machen!“


Lang gedauert hat’s nicht. Du bist relativ schnell zu Gigs gekommen. Was hast Du alles unternommen, um das zu schaffen?


Ich bin sehr oft in Clubs gegangen und irgendwann kannte man einfach mein Gesicht. Das kann schon helfen. Aber ich habe mich auch von Anfang an sehr unterstützt gefühlt, vor allem vom Diskologne Kollektiv sowie Die Wohngemeinschaft, wo der FLINTA*-DJ-Workshop damals veranstaltet wurde. Vielleicht ist es auch ein bisschen „good karma“ – ich versuche, regelmäßig auf Insta über andere DJs zu posten und vor allem die neuen DJs zu feiern und zu unterstützen.



Inwiefern spielen Kontakte oder der Standort eine wichtige Rolle für Dein DJing?


Ein Standort allein ist für mich nicht so wichtig. Anfangs vielleicht Köln und Umgebung bzw. so, dass die Party für mich gut erreichbar ist. Ich finde es auf jeden Fall gut, Kontakte zu knüpfen, da man nie weißt, wer eine coole Party in der Zukunft veranstalten wird. Und, wie gesagt, sich gengenseitig zu unterstützen.


Was bedeutet Dir Disco-Musik und wie erklärst Du Dir diese Liebe zur Disco?


Das ist für mich irgendwie schwer zu beantworten, da ich es nicht so gut beschreiben kann. Das Gefühl, das ich bekomme, wenn ich einen coolen Disko-Song mit geilem Bass und einer funky Melodie höre und dazu tanzen kann, ist als ob alles in der Welt perfekt ist und die Zukunft unendliches Potenzial hat.


Morgen spielst Du zum ersten Mal im Odonien. Wie bereitest Du Dich normalerweise auf solche Gigs vor?

Ich entscheide erstens, welche Songs ich zuerst und letztens spielen möchte, dann erstelle ich „Bausteine“ von 2-3 Songs, die sehr gut zusammenpassen. Ich versuche eine Vielfalt von BPM und Tonarten dabei zu haben und dann auch unterschiedliche Genres, je nach Partystil – z.B. für letzten Donnerstag beim Karneval der Kollektive hatte ich eine Setlist mit 50% Nu Disco und 50% Disco House erstellt. Für morgen wird es eher 50% Disco House und 50% House/Tech House, da die anderen DJs eher Richtung Techno und Hard House spielen. Hauptsache ist, dass das Set nicht 100% im Voraus geplant wird und ich mich der Reaktion des Publikums anpassen kann.


Direkt im Anschluss feierst Du Deine nächste Premiere – und zwar bist Du Teil einer Radio Show. Wie ist es dazu gekommen?


Es war extrem Random! Mein Kumpel, George Angels, hat im September auf einer Party aufgelegt und ein Remix des Songs Word Up von Cameo gespielt. Den Remix habe ich dann auf Soundcloud geliked und bin dem Remixer, dem britischen DJ Pete Ellison, gefolgt. Pete hat dann mein Soundcloud-Profil gesehen und einen Mix von mir gehört, und hat mir geschrieben und gefragt, ob ich Interesse hätte, einen Gastmix für seine regelmäßige Feel Good Friday Radiosendung auf NDC Radio zu machen. Den Gastmix habe ich im November gemacht, und ein paar Monate später hat Pete mich gefragt, ob ich Interesse hätte, eine monatliche Sendung zu machen. Schon während meines Bachelors hatte ich eine Radiosendung, also es fühlt sich richtig cool an, das nochmal zu haben! Jeden dritten Montag kann man nun Disko Odyssey ab 19 Uhr GMT auf ndcradio.co.uk (und danach bei mir auf Soundcloud) hören.


Gibt es DJs, die Dich inspirieren oder irgendwelche Vorbilder?

Ich finde es richtig geil und inspirierend, was Kapote und die Toy Tonics Leute machen – es ist so ein einzigartiger Sound und die Toy Tonics Partys haben immer SO eine geile und positive Stimmung. Das möchte ich auch auf meinen Partys schaffen. Ihr Motto „A Stranger in Life is a Neighbor on the Dancefloor“ finde ich eine perfekte Zusammenfassung davon, wie krass Musik und Tanzen Menschen verbinden können. Außerdem bin ich großer Fan von The Blessed Madonna und Purple Disco Machine.

Was würdest Du anderen Musikbegeisterten raten, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen DJ zu werden?

MACH ES! Es macht SO viel Spaß und man bekommt so ein tieferes Verhältnis zur Musik. Ich hatte Angst davor, so viel Geld für Pult usw. auszugeben, aber es hat sich 10000% gelohnt.

Was war bislang Dein größtes Highlight oder vielleicht auch einfach nur der schönste Moment während eines Sets?


Als ich mit dem Auflegen angefangen hatte, war mein Ziel, bis Ende 2026 auf einer Diskologne Party aufzulegen, da es erst auf einer Diskologne Party im Dezember 2024 war, wo ich inspiriert wurde, den Sprung endlich zu wagen. Im November 2025 habe ich auf Diskologne b2b mit meiner Freundin Danaconda (die ich auf dem FLINTA*-DJ-Workshop kennengelernt hatte) aufgelegt. Wir haben unser Set mit „Crying at the Discoteque“ von Alcazar (einer meinen allerliebsten Songs) geendet. Die Barracuda Bar war komplett voll und alle haben mitgesungen – so ein krasses Gefühl habe ich nie erlebt.

Hast Du schon Pläne für die Zukunft?


Gerne würde ich meine technischen DJ-Fähigkeiten mit Übergängen, Filtern, usw. verbessern, damit meine Sets noch abwechslungsreicher werden. Ansonsten mache ich einfach weiter und tanze und höre schöne Musik!



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